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Rohstoffe untergewichten - Aktien und Firmenanleihen übergewichten

Swisscanto Investment Update August 2008

Zürich, 29. Juli 2008 - Mit Öl kann man sich derzeit viele Aktien
kaufen. Die hohen Erdölpreise zeigen jedoch langsam ihre Wirkung in
Form verminderter Nachfrage. Subventionskürzungen in Schwellenländern
werden diesen Effekt verstärken. Dies dürfte auch den vergleichsweise
günstig bewerteten Aktien Auftrieb geben. Viele schlechte Nachrichten
und ein Gewinnrückgang von 20% sind bereits eskomptiert.

Für langfristig orientierte Staatsfonds erdölproduzierender Länder
dürfte es Sinn machen, ihre Aktienquoten zu Lasten von
Regierungsanleihen zu erhöhen. Zwar wurden viele Aktiencrashs durch
geopolitische Spannungen in erdölproduzierenden Ländern ausgelöst,
weshalb damit zu rechnen ist, dass der Erdölpreis seine
Versicherungsfunktion auch in Zukunft erfüllen wird. Es ist jedoch
unwahrscheinlich, dass das physische Horten von Öl in den nächsten 35
Jahren nochmals höhere Renditen als der Weltaktienmarkt abwerfen
wird. Nur nach dem ersten grossen Erdölschock 1973 konnte man noch
mehr Aktien pro Barrel Rohöl einkaufen.

Gleichzeitig sind Aktien nach dem jüngsten Kurseinbruch im Vergleich
zu Staatsanleihen und dem Geldmarkt äusserst attraktiv, wenn man sich
auf die Gewinnschätzungen und die realisierten Gewinne stützt, oder
sie sind zumindest bei der Berechnung mit um fast 20% tieferen
Trendgewinnen leicht unterbewertet. Ein rund 20-prozentiger
Gewinnrückgang ist somit in den heutigen Kursen bereits mehr als
eskomptiert.

Aufgrund der relativ attraktiven Bewertung der Aktien gegenüber
Anleihen und gegenüber der (teuren) Strategie, Öl physisch zu horten,
sowie der negativen Rollrenditen am kurzen Ende der Erdölkurve, die
sich derzeit leicht im Contango befindet, gewichten wir Aktien zu
Lasten von Rohstoffen und Cash leicht über.

Eine Verlangsamung des Rohstoffbooms würde den Aktienmärkten
unmittelbar in Form von tieferen Inflationsraten und tieferen
Inputkosten zu Gute kommen und dürfte eine Erholungsrally auslösen.
Die Zentralbanken müssten sich weniger um die Inflationsbekämpfung
kümmern, da der Inflationsanstieg sein Maximum erreicht hätte. Damit
wäre ihre Munition grösser, um gegen die Wirtschaftsabschwächung zu
kämpfen. Zudem stehen die Chancen auf eine weitere Entspannung an den
Energiemärkten gut. Die nachfragereduzierende Wirkung der hohen
Erdölpreise hat begonnen: Viele Airlines reduzieren ihre Kapazität
oder mussten dies aufgrund Chapter 11 tun. Die Anzahl stillgelegter
Flugzeuge steigt. Die Anzahl zurückgelegter Meilen und der
Benzinverbrauch in den USA sind rückläufig. Der Verkauf von
SUV-Spritmonstern kollabiert, und der Flottenverbrauch von Neuwagen
ist massiv tiefer. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die
Treibstoff- und Energiesubventionen in diversen Entwicklungsländern
wie China, Indonesien, Indien weiter gekürzt werden. Diese Kürzungen
lassen die Verbraucher in diesen Schwellenländern erstmals die
Auswirkungen der vergangenen Ölpreisexplosion schmerzhaft spüren und
werden nach einigen Quartalen ebenfalls einen Nachfragerückgang
auslösen. Beispielsweise müssten die Preise für Diesel in Indonesien
(China) um 167% (90%) steigen, um dasselbe Preisniveau wie in den USA
zu erreichen. Subventionen in dieser Grössenordnung können nicht
lange aufrechterhalten werden, da sie den Staatshaushalt ruinieren
würden. Die Wirtschaftsabschwächung in den entwickelten Ländern trägt
ebenfalls zur Entspannung bei.

Aufgrund der in Krisenfällen (bei Wiederaufflammen des
Nahostkonflikts, Verschärfung der Irankrise,
Ressourcenzwangsverstaatlichung in Russland und anderen
Schwellenländern) negativen Korrelation mit Aktien und anderen
Risikopapieren und der Möglichkeit, dass sich der Angebotsschock
weiter fortsetzt, fahren wir jedoch nur ein moderates Untergewicht
der Rohstoffe. Grundsätzlich empfiehlt es sich, einen gewissen
Versicherungsschutz gegen adverse Angebotschocks durch Investitionen
in Rohstofffonds zuzulegen.

Generell dürfte zu viel Geld in Angstanlagen und zu wenig Geld in
unterbewerteten riskanten Assets investiert sein. Mit der
Stabilisierung der Inflationsraten werden die Stagflationsängste
abgebaut, so dass nur noch die Rezessionsängste übrig bleiben.


Ihre Kontaktperson:

Thomas Härter, Chief Strategist, Asset Management und Institutionelle
Kunden
Telefon +41 58 344 49 46, thomas.haerter@swisscanto.ch

Alexandra Künzi-Bay, Strategist, Asset Management und Institutionelle
Kunden
Telefon +41 58 344 49 47, alexandra.kuenzi@swisscanto.ch

Swisscanto Asset Management AG, Waisenhausstrasse 2, 8021 Zürich
www.swisscanto.ch


Swisscanto - Kompetenzzentrum der Kantonalbanken

Als spezialisierter Leistungserbringer der Kantonalbanken
konzentriert sich Swisscanto auf die Entwicklung und den Vertrieb von
qualitativ hoch stehenden Anlage- und Vorsorgeprodukten für Private,
Firmen und Institutionen:
* Anlagefonds für private und institutionelle Anleger
* Produkte der gebundenen und freien Vorsorge 3. Säule
* Vorsorgelösungen 2. Säule der Sammel- und Freizügigkeitsstiftungen
* Beratung und Verwaltung von Pensionskassen
* Kollektivvermögen der Anlagestiftungen
* Vermögensverwaltungsmandate für institutionelle Anleger
In der Schweiz ist Swisscanto einer der führenden Fondsanbieter und
Vermögensverwalter:
Das gesamthaft verwaltete Kundenvermögen beträgt rund CHF 59.1 Mia.,
wovon über CHF 49.2 Mia. in Anlagefonds investiert sind.
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