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Alexander Scurlock zur aktuellen Lage an den Märkten |
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Kronberg im Taunus, 10. Oktober 2008
Seit dem Beginn der Finanzkrise beobachten wir massive
Kapitalverluste und eine Verschärfung der Kreditbedingungen. Dies
wiederum hat einer Abwärtsspirale den Boden bereitet, die inzwischen
eine Eigendynamik entwickelt hat und auch zunehmend auf die
Realwirtschaft übergreift. Alexander Scurlock, Fondsmanager des
Fidelity European Growth Fund, erklärt, wie er den Einfluss des
Staates und die Entwicklung verschiedener makroökonomischer
Indikatoren einschätzt.
Es war ein Fehler, Lehman Brothers nicht vor der Pleite zu bewahren.
"Die Ereignisse bei Lehman Brothers haben die Entwicklung aus meiner
Sicht dramatisch beschleunigt. So hat der Zusammenbruch von Lehman
Brothers die Inhaber vorrangiger Anleihen mit in den Abwärtsstrudel
gerissen. Ich bin der Überzeugung, dass es ein Fehler war, Lehman
Brothers nicht vor der Pleite zu bewahren, und dass sich dies im
Rückblick als Knackpunkt erweisen wird. Die Auswirkungen auf die
Märkte waren enorm. Das führte dazu, dass einige US-Geldmarktfonds
inzwischen den Nennwert unterschritten haben. Somit nahm am
Interbankenmarkt die Zurückhaltung bei der Kreditvergabe weiter zu,
was Banken mit Liquiditätsproblemen in die Pleite trieb."
Die Maßnahmen der Regulierer verlieren ihren sporadischen Charakter.
"Die Regulierungsbehörden haben bislang vor allem reagiert. Man
schaue sich nur an, was bei Bear Stearns, AIG und anderen passierte.
Mittlerweile aber scheinen die Regulierer zunehmend proaktiv zu
handeln. Das zeigen beispielsweise die für Spareinlagen in Irland und
Deutschland abgegebenen Garantien sowie die kollektiven Zinssenkungen
der wichtigsten Zentralbanken. Die aktuellen Probleme werden die
Regulierungsbehörden zwar nicht allein lösen, dafür aber zumindest
einen Markt für Vermögenswerte wie zum Beispiel mit Hypotheken
besicherte Wertpapiere (MBS) schaffen können."
Das Gelddrucken der Regierungen wird die Inflation nicht anheizen.
"Das Gelddrucken wird keinen Inflationsdruck verursachen. Denn obwohl
die Regierungen derzeit Liquidität in Hülle und Fülle bereitstellen,
leihen die Banken sie nicht aus. Zudem sollten wir nicht
unterschätzen, in welchem Maße die Konjunkturabkühlung den
Inflationsdruck bremsen wird."
Ich rechne mit einem steigenden Dollarkurs.
"In Europa hatten wir uns zu starr auf die Probleme in den USA
konzentriert, obwohl die Folgen globaler Natur waren. Aus diesem
Grund verlor der Dollar gegenüber anderen wichtigen Währungen an
Wert. Ich rechne derzeit mit einem steigenden Dollarkurs. Dies würde
für zahlreiche europäische Firmen Folgen haben. Das Beispiel Hennes &
Mauritz zeigt das gut. Die Bruttomarge der Modemarke geriet enorm
unter Druck, als sich die Trends der letzten fünf Jahre plötzlich
umkehrten. Insbesondere mit Blick auf die Emerging Markets ist aus
meiner Sicht derzeit Vorsicht geboten, denn sie sind in den letzten
Jahren ganz oben auf der Welle mitgeschwommen. In nächster Zeit aber
sind Verluste ihrer Währungen gegenüber dem Euro nicht
ausgeschlossen."
Der Rettungsplan könnte sich für die US-Regierung zu einem äußerst
rentablen Geschäft entwickeln.
"Sinn und Zweck des US-Rettungspakets ist es, einen Markt für
MBS-Papiere (Mortgage Backed Securities) und damit eine
Preisuntergrenze zu schaffen, da es auf aktuellem Niveau keine Käufer
gibt. Und das, obwohl einige Banken ihre MBS-Papiere auf 20 bis 25
Prozent ihres ursprünglichen Wertes berichtigt haben. Die
US-Regierung könnte für diese Papiere einen realistischeren Wert von
circa 50 Prozent des ursprünglichen Wertes ansetzen, was viele
regionale US-Banken vor der Pleite bewahren würde. Zudem könnten
Banken, die den Wert dieser Bestände bereits auf 20 bis 25 Prozent
wertberichtigt haben, Wertzuschreibungen vornehmen und damit ihre
Kapitalbasis stärken."
Das Leerverkaufsverbot wird viele Nachwehen haben, für uns aber von
Vorteil sein.
"Nach dem Abklingen der aktuellen Krise könnten Vorschriften zu
Lasten von Hedgefonds in Kraft treten, um den generellen Unmut der
Öffentlichkeit zu besänftigen. Zu den besonderen Problemen, mit denen
wir uns derzeit herumschlagen müssen, gehört es, Hedgefonds mit
Liquiditätsproblemen zu meiden, was für zusätzliche Schwankungen an
den Märkten sorgt. Für uns aber bietet sich hiermit auch eine
großartige Chance, unseren Marktanteil auszuweiten."
Wir haben die Talsohle bald erreicht.
"Zu den zentralen Indikatoren, die uns zeigen, dass wir die Talsohle
bald erreicht haben, gehören massive Verkäufe seitens der
Privatanleger - und genau das scheint derzeit der Fall zu sein. Zudem
könnten weitere Zinssenkungen positive Impulse für die Märkte setzen.
Ob die Wende im nächsten Monat, in zwei oder drei Monaten kommt,
lässt sich derzeit noch nicht sagen. Aber Aktien sind auf
Drei-Jahressicht günstig und bieten zurzeit bei einer selektiven
Einzeltitelauswahl attraktive Investmentgelegenheiten."
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Fidelity International ist ein auf allen bedeutenden Finanzmärkten
aktives Fondsmanagement-Unternehmen und verwaltet ein Fondsvermögen
von 163,6 Milliarden Euro (Stand 30.06.2008). Die mehr als 1.000
Fondsmanager und Analysten von Fidelity bilden das größte
Investment-Expertenteam der Welt. Zahlreiche Auszeichnungen belegen
die hohe Qualität der Investmentprodukte und -dienstleistungen, die
Fidelity International privaten und institutionellen Anlegern
anbietet. Die deutschen Unternehmen FIL Investment Services GmbH, FIL
Investments International - Niederlassung Frankfurt, FIL Investment
Management GmbH und FIL Pensions Services GmbH, alle in Kronberg im
Taunus, betreuen ein Fondsvermögen von 10,3 Milliarden Euro,
vertreiben 113 Publikumsfonds direkt sowie über mehr als 600
Kooperationspartner und beschäftigen 210 Mitarbeiter (Stand:
30.06.2008). Fidelity International veröffentlicht ausschließlich
produktbezogene sowie allgemeine Informationen und erteilt keine
Anlageempfehlungen.
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Kronberg im Taunus.
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Wrede
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